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Stadtumlandbahn für 70 Millionen möglich

Experte vom VCD referierte für SPD
 Stadtumlandbahn für 70 Millionen möglich
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HERZOGENAURACH - In den 90er Jahren war die Reaktivierung des Schienenverkehrs in aller Munde, eine Stadtumlandbahn wurde diskutiert und verworfen. Nachdem Bahnübergänge demontiert und asphaltiert wurden und das Schienennetz verschwand, erinnert man sich angesichts steigender Energiepreise an die alten Ressourcen als Basis für schienengebundenen Nahverkehr.

Spätestens jetzt wird einem klar, dass da seinerzeit irgendetwas stur und engstirnig ignoriert worden sein musste. Dass der SPD dieses Thema in den 90ern schon lange Diskussionen wert war, ist bekannt. Jetzt nehmen sich die Sozialdemokraten unter der Federführung des Kommunalpolitischen Arbeitskreises und der Regie von Wolfgang Schoepe dieser Sache wieder ganz gezielt an.

Großes Interesse

Im Vereinshaus referierte ein ausgewiesener Verfechter der Stadtumlandbahn und stieß auf ungewöhnlich großes Interesse. Schoepe hatte den Diplom-Ingenieur Matthias Striebich vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) nach Herzogenaurach eingeladen. Striebich ist stellvertretender Landesvorsitzender dieser Organisation, die in ihrer Grundausrichtung überhaupt nicht mitdem ADAC zuvergleichen ist.

«Der VCD sucht vielmehr nach Alternativen zum Auto», stellte er die Linie seines Verbandes klar. Striebich bezog sich aber hauptsächlich auf Erlangen. An die Nachbarstadt muss Herzogenaurach schließlich «angeschlossen» werden.

Fahrgastplus

Lange habe man über die Einführung eines Stadtbusses in Herzogenaurach debattieren müssen, meinte Wolfgang Schoepe - und seit die Busse fahren, verzeichne man von Jahr zu Jahr mehr Fahrgäste. Das werde wohl auch so mit einer Stadtbahn sein.

Striebich nahm sich an dem Abend lange Zeit und beleuchtete unter anderem die verkehrsplanerischen Grundlagen, er ging sogar auf die möglichen Kosten ein. Was Erlangen betrifft, meinte der Referent, habe man dort zwar immer wieder von dieser öffentlichen Nahverbindung von Osten durch die Stadt nach Westen gesprochen, «darüber hinausgekommen ist man aber nicht».

Hell, freundlich, bequem, schnell

Hell, freundlich, bequem, schnell und barrierefrei, sei eine Umlandbahn, was er anhand von unzähligen Beispielen (Karlsruhe, Chemnitz) belegte. Die ortsnahe Bahn werde immer an den Autolawinen vorbeifahren und schnell eine große Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen.

Striebich meinte auch, dass die Baukosten einer solchen Stadtumlandbahn um das «Fünf bis Achtfache» niedriger ausfallen als die für eine S- oder U-Bahn. Bautechnisch zu machen sei die Trasse über Bruck bis Herzogenaurach, später vielleicht auch einmal durch die Stadt in den Norden, jedenfalls, denn im Vergleich zu einem Bus, benötige das schienengebundene Fahrzeug eine Trassenbreite von drei Metern (Bus 3,25).

Bus nicht billiger

«Und das Bus-System ist keinesfalls billiger», betonte Striebich. Der Bus werde mit einer Stadtumlandbahn nur noch eine Art Zubringer- Funktion haben. Neben den vorhandenen Schienen müsste man für den Anschluss von Herzogenaurach an Erlangen etwa 3,5 Kilometer Strecke neu bauen.

Von der Paul-Gossen-Straße, über das südliche Bruck, bis nach Herzogenaurach seien 7,5 Kilometer Schienenstrecke nötig. Kosten: schätzungsweise 70 Millionen Euro. «Das ist in weniger als fünf Jahren zu machen», wenn man bloß wolle. Das sieht auch Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker so.

Günstiger realisieren

Möchte man die Region Herzogenaurach, den Westen und den Osten des Landkreises stabil machen, dann müsse man dieses Konzept angehen. «Und zwar von Herzogenaurach aus», so Hacker, weil sich die Trasse von hier aus günstiger realisieren lasse. Sukzessive könne man hernach auch den Norden der Stadt anbinden.

«Nur anfangen muss man». Die Kommunen allerdings werden die Kosten nicht alleine schultern können, betonte er und machte damit die Debatte um mögliche Kostenträger auf.

nr
18.7.2008 11:02 MEZ
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