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Bronskys erstes Buch «Scherbenpark«

Bronskys Erfahrungen: Russen im Frankfurter Hochhaus-Ghetto
 Bronskys erstes Buch «Scherbenpark«
Foto: Roman Größer
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NÜRNBERG - Eine junge, in Russland geborene Erzählerin macht auf sich aufmerksam. Mit Witz und wacher Intelligenz schildert die 30-jährige Alina Bronsky in ihrem ersten Buch «Scherbenpark« das Leben der Migranten im Frankfurter Ghetto.

Was für ein begnadetes Erzähltalent! Der Leser wird in Atem gehalten durch eine drängende, munter sprudelnde Sprache, die nie ins Banale abgleitet oder sich altklug gibt. Und was erzählt wird, reißt den Leser fort. Die 17-jährige Sascha, die (wie die Autorin) als Kind aus Russland kam und trotz schlechter Deutschkenntnisse wegen ihrer offensichtlichen Begabung, vor allem für Mathematik, in einem Elite-Gymnasium aufgenommen wurde, hat zwei Ziele.

Saschas Ziele

Sie will ein Buch über ihre tote Mutter schreiben und Vadim töten, ihren Stiefvater, der ihre Mutter umgebracht hat und im Gefängnis sitzt. Dafür macht sie immer wieder neue Pläne und ist froh, dass ihre kleinen Halbgeschwister sie unterstützen und mit ihren Absichten einverstanden sind. Männer hasst das Mädchen, seit es Vadim kennt.

Sascha lebt offenbar in Frankfurt am Main in einem Hochhaus-Ghetto das ziemlich verwahrlost ist, dem Solitär am Scherbenpark, voller Deutschrussen und anderen Immigranten. Betreut werden die Kinder von Vadims rührend um sie besorgter Cousine, die aber fast kein Deutsch spricht. Sascha ist somit für alles verantwortlich. Manchmal hält sie es allerdings zu Hause nicht aus. Als sie in einer Zeitung eine rührselige Reportage über den armen Vadim im Gefängnis liest, eilt Sascha wutschnaubend in die Redaktion, wo sich der Ressortchef für seine Mitarbeiterin entschuldigt und ihr seine Hilfe anbietet.

Wenig später ruft sie ihn an und fragt ihn nach einer Bleibe für einige Tage. Etwas verlegen bietet ihr der Journalist sein Haus in Bad Soden an, wo sie seinen halbwüchsigen Sohn trifft. Der scheint sich ausschließlich für Computer und Videos zu interessieren. Doch unvermittelt küsst er sie, und Sascha findet daran zu ihrer Überraschung Gefallen.

Lebensbedrohliches Leiden

Bald zeigt sich, dass der Junge von einem lebensbedrohlichen Lungenleiden befallen ist: Mitten in der Nacht muss er ins Krankenhaus. Sascha verliebt sich im Verlauf dieser Turbulenzen mehr und mehr in den kultivierten Vater und steht unversehens zwischen ihm und seinem Sohn.

Die 1978 in Jekaterinenburg geborene Autorin war Werbetexterin und Redakteurin einer Tageszeitung. Alina Bronskys erstes Buch ist das erstaunlichste Debüt seit Jahren, vielleicht noch keine hohe Literatur, aber geschrieben mit wacher Intelligenz und Witz. Es trifft vorzüglich den Ton und das Lebensgefühl einer Jugendlichen in Deutschland, die ihren eigenen Weg sucht. Übrigens, aus Saschas Plan wird nichts: Vadim erhängt sich im Gefängnis. In einem plötzlichen Wutanfall wirft sie Steine auf die Fenster des Solitärs, wird endlich selbst getroffen und bricht nach Entlassung aus dem Krankenhaus in ein neues Leben auf, von dem sie noch nichts weiß - nur, dass es nichts mit dem, was hinter ihr liegt, gemein haben soll.
Alina Bronsky: Scherbenpark, Roman, Verlag Kiepenheuer Witsch, Köln. 287 Seiten,16,95 Euro.

Werner Schulze-Reimpell
10.9.2008
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