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ERLANGEN - Die Premiere von «Verstärker», der Musikmesse für die Musikszene der Metropolregion Nürnberg, ging im E-Werk äußerst erfolgreich über die Bühne. 56 Aussteller, darunter Labels, Konzertveranstalter, Agenturen, Magazine und Tonstudios, sowie 34 Bands und vier Solokünstler/ innen aus dem Großraum präsentierten sich im gesamten Haus. Die Organisatoren zeigten sich am Ende genauso glücklich und zufrieden wie die Aussteller und das Publikum.
Alex Jordan vom Szenemagazin «Realitätsfilter», hat sich nicht nur strategisch günstig gleich rechts hinterm Eingang zum großen Saal postiert, sondern heischt an seinem Stand auch mit unorthodoxen Methoden nach Aufmerksamkeit: «Wer mit zehn Schlägen zehn Nägel versenkt, bekommt ein Freibier», verspricht er und deutet auf ein kleines Brett, in dem alle Zimmermannsnägel in respekteinflößender Länge stramm auf gleicher Höhe in Reih und Glied stehen.
Lieber nicht. Aber ein Magazin nimmt man trotzdem gern mit. Und drei Wasserbomben für die Kinder.Es ist Samstag am frühen Nachmittag, draußen lacht die Oktobersonne einladend, aber trotzdem herrscht zwischen den dicht gedrängt stehenden Ständen schon reges Gewusel. Zwischen all den aufgestapelten PromoCDs, Handzetteln, bunten Plakaten, bedruckten T-Shirts, Fanzines und Laptops muss man schon genau hinschauen, beziehungsweise nachfragen, wer hier eigentlich was anbietet.
Da tut sich das Independent-Label mit seinen gut sichtbaren CDs natürlich leichter als das Internetradio oder die «Mit Rock Zentrale», die «Rock-’n’Roll-Party-Busse zu Festivals und Konzerten» anbietet. Während aus der Kellerbühne der Soundcheck der Nürnberger Band «Catherine Huth» herüberdröhnt, freut sich «Robocop Kraus»-Schlagzeuger Hans Fuss, dass «man hier endlich mal all die Bands hören kann, die man nur vom Namen kennt.»
Unterm Arm trägt er einen dicken Kunstband, den er gerade bei Jana Tischer vom Verlag für moderne Kunst erworben hat. Die hofft offensichtlich nicht umsonst darauf, in diesem musikalischen Umfeld ein neues Zielpublikum zu erreichen.
«Vernetzung» ist ein Wort, das man oft hört an diesen zwei Tagen, und genau das ist laut Steffen Zimmermann, einem der Organisatoren und Vorstand der Musikzentrale Nürnberg, auch passiert: «Du kennst so viele Gesichter von diversen Konzerten und weißt doch nie genau, was die eigentlich machen. Hier bei der Messe hat man dann unglaublich viele AhaErlebnisse.»
"ein rammelvolles Haus"
Die Workshops zu den Themen «Booking & Promotion» und «Selbstständigkeit im Musikbereich» stießen auf reges Interesse und vor allem die Abendkonzerte mit überregional etablierten Bands wie «Missouri», «Smokestack Lightnin‘», «The Robocop Kraus» oder «Shark Soup» sorgten für ein rammelvolles Haus: Geschätzte 900 Besucher waren allein am Samstag da.
Darüber hinaus gab es bei den nachmittäglichen Kurzkonzerten so beeindruckende Gruppen wie «Wrongkong» oder «The Mother, The Son & The Holy Ghost» zu entdecken - wenn die fränkische Rockszene nicht den gleichen Ruf hat wie die in Hamburg oder Berlin, dann liegt das sicherlich nicht an den Musikern.
«Ich glaube, die Region hat immer noch mit ihrem Image als ,Bratwurstmetropole‘ zu kämpfen», meint Steffen Zimmermann. «Wir wollen zeigen, dass hier was geht und auch, dass Kultur durchaus ein Wirtschaftsfaktor ist.» Fazit: Auch wenn nicht alle Angebote bei der ersten Ausgabe von «Verstärker» gleichermaßen gut angenommen wurden, so hat die Messe doch mindestens zwei Dinge bewiesen: Die «Subkultur» will und muss ernstgenommen werden, denn sie spricht wesentlich mehr Menschen an, als nur die szenebekannten Gesichter.
Und sie zeigt, dass die schon weit fortgeschrittene mediale Vernetzung zwar gut und wichtig ist, dass aber der persönliche Kontakt immer noch um ein Vielfaches wertvoller ist als jeder Link im Internet.
Peter Gruner |