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GRÄFENBERG - Gut 500 Menschen haben sich in Gräfenberg einem neuerlichen Aufmarsch der Rechtsextremisten entgegengestellt. Friedlich, wie immer, aber diesmal muss man das besonders hervorheben, denn im Vorfeld waren - auch von der Polizei - Befürchtungen in Umlauf gebracht worden, gewaltbereite Linksradikale könnten den kleinen oberfränkischen Ort aufmischen.
Deswegen waren die Sicherheitskräfte diesmal ganz besonders zahlreich aufmarschiert, bestimmten noch mehr als sonst bei den vielen Neonazi-Aufmärschen das Straßenbild, machten manchen Bewohnern das Einkaufen schwer und kontrollierten besonders scharf (eine Dia-Show von der Demonstration sehen Sie hier).
Ein Bus wurde auf dem Weg nach Gräfenberg von der Polizei gestoppt (und "gestürmt", wie der Anwalt des Gräfenberger Bürgerforums sagte), durchsucht und mit Blaulicht zum Versammlungsort am Bahnhof geleitet, wo schon viele andere Demonstranten warteten und sich das Bürgerforum in einem Appell an die Polizei wandte. Tenor: Nicht der demokratische Protest sei das Problem, sondern "die hier aufmarschierenden Neonazis".
Diskrepanz zwischen Opfergedenken und Verharmlosung von Kriegsverbrechen
Dann zogen die Gegendemonstranten zum Hauptmarkt, viele hatten Tafeln bei sich, die auf Kriegsverbrechen der Wehrmacht etwa in Leningrad, Oradour, Charkow und Babij Jar aufmerksam machten. Auch den Weg säumten solche Tafeln und später mussten an ihnen auch die Neonazis vorbei, die durch den Ort zum Fuß des Kriegerdenkmals marschierten, um ausgerechnet am Vorabend des Volkstrauertags die "Helden der Wehrmacht" zu verherrlichen.
Auch Redner der Gegenkundgebung auf dem Marktplatz wiesen auf die Diskrepanz zwischen dem Opfergedenken und der Verharmlosung von Kriegsverbrechen hin. Zeitzeuge Ernst Gube, dessen Familie selbst ins KZ Theresienstadt deportiert worden war, bezeichnete als Ungeheuerlichkeit, wenn die Neonazis von "Ruhm und Ehre der Wehrmacht" sprächen. "Die sollten sich schämen", sagte Gube unter großem Beifall.
Der 76-Jährige erzählte auch, dass er, als er nach der Befreiuung 1945 nach München gekommen sei, überzeugt gewesen sei, dass es nie mehr Nazis geben würde." Aber nun stehe ich hier, angesichts einer Entwicklung, die ganz anders gelaufen" sei. Es gebe sie wieder, diese Antisemiten und Antidemokraten. Deshalb sei er gern nach Gräfenberg gekommen.
Knobloch: Gräfenberger sollen so weiter machen
Gube brachte auch die Grüße von Charlotte Knobloch mit, der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Als sie gehört habe, dass er, Gube, nach Gräfenberg fahre, habe sie gesagt: Grüßen Sie die Menschen dort, sie sollen so weitermachen wie bisher". Ermunterung ist wohl nötig, denn diesmal waren weniger Gräfenberger Bürger gekommen als bei früheren Gegenkundgebungen. Das lag zum Teil daran, dass zuvor vor linken Gewalttätern gewarnt und zum Teil auch das Bürgerforum in die Nähe von Extremisten gerückt wurde. Dagegen verwahrte sich auch Bürgermeister Werner Wolf (Freie Wähler), der beklagte, dass die Polizei den Gräfenbergern nicht mehr glaube, dass sie friedlich prostestieren wollten.
Doch wer zum Markt kam, konnte sich vom Gegenteil überzeugen. "Ich glaube nicht, dass man was befürchten muss", sagte ein 68-jähriger Gräfenberger. "Die Nazis wollen unseren Rechtsstaat kaputtmachen, und dagegen müssen wir uns wehren.", sagte er stellvertretend für eine ganze Gruppe von Einwohnern. "Wir dürfen und von nichts und niemandem einschüchtern lassen, meinte eine Frau aus einem Nachbarort. Unterstützung bekamen sie von Parteien und Kirchen.
Nicht müde werden
Die Grünen-Landtagsabegordnete Christine Stahl, ihre Parteifreundin Christine Seer aus dem Nürnberger Stadtrat und deren CSU-Kollege Markus König betonten unisono, der Protest lasse sich nicht spalten, Regionalbischof Nietzsche und Dekan Holzschuh (als Vertreter des Erzbischofs von Bamberg, riefen die Bürger auf, nicht müde zu werden. Felicitas Kühnel aus Fürth, ebenfalls Zeitzeugin, versprach, sie werde demonstrieren, so lange es Neonazis gebe. Sie wird noch einen langen Atem brauchen.
Herbert Fuehr |