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Großes Herz für Tsunami-Opfer |
| Die Flut ist weg, Armut bleibt: Hilfe aus Zirndorf in Sri Lanka |
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Die große Flut ist längst weg, die Armut ist geblieben: Vor vier Jahren, am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004, verwüstete der Tsunami die Küsten Südostasiens. Besonders hart betroffen waren die Menschen Sri Lankas. Hilfe brauchen sie noch immer - und bekommen sie aus Zirndorf.
NÜRNBERG – An dieser Frau ist alles groß: Ihre Statur, ihre Gesten, die nur schwer zu bändigende, silbergraue Haarmähne – vor allem aber hat Susanne Loos-Jayawickreme ein großes Herz. Vermutlich gibt es in der 140 000-Einwohner-Stadt Weligama an der Südspitze Sri Lankas kaum jemanden, der die 53-jährige Deutsche nicht kennt. Und das nicht nur, weil sie zwischen den meist zierlichen und dunkelhäutigen Sri Lankern auffällt.
15 Jahre lebt Loos-Jayawickreme inzwischen in Weligama und hat sich seitdem einen festen Platz als Helferin in den Herzen der Menschen erobert. «80 Prozent der Menschen hier sind arbeitslos, mehr als 8600 Familien leben unterhalb der Armutsgrenze – ihnen wollen wir ein menschenwürdiges Leben ermöglichen», erklärt die gelernte Journalistin. «Wir», das sind Susanne Loos-Jayawickreme und ihr Mann Sujith. Gemeinsam haben sie 2001 die Jayawickreme-Stiftung gegründet, um die Armut in Weligama zu lindern. «Wir», das ist aber auch die Schwester von Susanne Loos-Jayawickreme, Sabine Spittler, die von Zirndorf (Landkreis Fürth) aus über den «Förderverein Sri Lanka Hilfe» Spenden nach Weligama schickt.
Kleidung und Lebensmittel
Eine international aufgestellte Familien-Hilfsorganisation sozusagen, die vor allem in den Monaten nach dem Tsunami mit dem Helfen kaum noch hinterher kam. Hunderte von Obdachlosen in Weligama erhielten Kleidung und Lebensmittel. Später wurden 56 Häuser für die Tsunamiopfer gebaut, Kleinbetriebe und Fischer mit Arbeitsmaterialien unterstützt.
Inzwischen ist wieder Alltag in den Katastrophengebieten eingezogen – und der ist nach wie vor bitter. «An der Armut der Menschen hat sich nicht viel geändert», klagt Susanne Loos-Jayawickreme. Eine galoppierende Inflation, Bürgerkrieg im Osten des Landes, ausbleibende Touristen – blendende Perspektiven hat die malerische Insel nicht.
Viele Familien haben umgerechnet weniger als 50 Euro im Monat zur Verfügung. Zu wenig, um die Kinder in den Kindergarten zu schicken. Aber ohne Kindergarten-Besuch werden die Kleinen auch nicht eingeschult und ohne Ausbildung gibt es später natürlich auch keine Jobs. Ein Teufelskreis der Armut, den Susanne Loos-Jayawickreme und ihre Mitstreiter durchbrechen wollen. Drei Ausbildungszentren für über 600 Kinder aus besonders bedürftigen Familien hat die Stiftung eröffnet – gefördert von der Stadt Zirndorf und Playmobil. Morgens werden die Zentren als kostenlose Kindergärten genutzt, nachmittags können die Älteren den Stoff der staatlichen Schulen vertiefen.
Eine Begegnungsstätte für Senioren, deren Familien vom Tsunami zerstört wurden, ist entstanden und 700 Existenzgründungen wurden gefördert – Susanne Loos-Jayawickreme kämpft an vielen Fronten gegen die Armut, obwohl das Spendengeld notorisch knapp ist, seit der Tsunami und Sri Lanka aus den Schlagzeilen verschwunden sind.
«Das ist inzwischen ein 24-Stunden-Job für mich geworden – meine Lebensaufgabe», meint Susanne Loos-Jayawickreme. Und wer die Gänsehaut auf ihrem Unterarm oder die Feuchte in ihren Augen bemerkt, wenn sie von den Schicksalen im Ferienparadies Sri Lanka erzählt, weiß, dass dieses Engagement doch mehr ist als nur ein «Job».
Spaß macht ihr die Arbeit trotz der Not, die sie Tag für Tag sieht. Die Dankbarkeit der Menschen und die Hilfsbereitschaft, gerade aus Deutschland, ließen manche Probleme vergessen, erzählt die 53-Jährige. Etwa, dass sie über fünf Kilometer zum nächsten Internet-Anschluss fahren muss – der nur funktioniert, wenn nicht gerade wieder der Strom ausgefallen ist.
«Seele bleibt deutsch»
«Irgendwie geht es dann doch immer», lacht Susanne Loos-Jayawickreme und ist glücklich, vom Schicksal ans andere Ende der Welt verschlagen worden zu sein. «Mein Herz ist in Weligama, meine Seele bleibt aber deutsch», sagt Loos-Jayawickreme. An dieser Frau ist eben alles groß – auch ihre Liebe zur alten und neuen Heimat.
www.jayawickreme.org
Spenden für den Förderverein «Sri Lanka Hilfe – Jayawickreme Foundation» auf das Konto 1 809 110, bei der Commerzbank Zirndorf, BLZ 762 400 11.
Armin Jelenik |
| 24.12.2008 |
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