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Untergangsstimmung in Bayerns Arztpraxen

Mediziner befürchten teilweise massive Honorareinbrüche
 Untergangsstimmung in Bayerns Arztpraxen
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NÜRNBERG - Eigentlich sollte alles besser werden, doch herausgekommen ist das große Chaos: Seit zehn Tagen werden die niedergelassenen Ärzte nach einem neuen Honorarsystem bezahlt und viele von ihnen fürchten seitdem um ihre Existenz. Um was geht es bei dem Streit, der zunehmend auch die Patienten verunsichert?

«Wenn nicht sofort gehandelt wird, werden Tausende Facharztpraxen binnen weniger Monate insolvent sein.« Tom Henschel Urologe aus Herzogenaurach, ist nicht der einzige, der derzeit mit starken Worten Alarm schlägt: Hunderte von Hautärzten, Neurologen, Kardiologen und anderen Fachärzten gehen derzeit allein im Großraum Nürnberg auf die Barrikaden. Sie alle fürchten massive Honorareinbrüche, teilweise zwischen 30 und 40 Prozent. Einige Ärzteverbände haben daher angedroht, ihre Mitglieder würden bestimmte Behandlungen bei Kassenpatienten nur noch gegen Rechnung vorzunehmen - ein nach Meinung der Kassen rechtswidriges Vorgehen, auf das sich kein Patient einlassen sollte.

So viel Geld wie nie zuvor

Die Versicherer verweisen vielmehr darauf, dass sie dieses Jahr so viel Geld wie nie zuvor für die Mediziner zur Verfügung stellen - rund sechs Prozent mehr als 2007. Und dennoch wird es - das bestreiten inzwischen weder die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), noch die AOK im Freistaat - zu «erheblichen Umverteilungen« zwischen den verschiedenen Arztgruppen kommen. Mit anderen Worten: Die Honorarreform produziert Gewinner und Verlierer.

Das weiß auch Veit Wambach, Hausarzt im Norden Nürnbergs und Vorstandsbeauftragter der KVB für Mittelfranken. Seit dem 1. Januar werde die Gesamtvergütung in zwei große Blöcke aufgeteilt, erklärt Wambach. Den einen Teil des Praxishonorars machen - sehr vereinfacht gesagt - die Regelleistungsvolumen (RLV) aus, den anderen Teil die so genannten freien Leistungen. Ein System, das von Kassen- und Ärztefunktionären auf Bundesebene nach Vorgaben der Politik ersonnen wurde.

Die Höhe der Regelleistungsvolumen wurde nach einem komplizierten Verfahren für jede Praxis ausgerechnet. Und sie liegen tatsächlich in vielen Fällen drastisch unter dem Honorar im vergangenen Jahr. Es kommen aber noch die freien Leistungen hinzu. Dazu gehören etwa Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen, die außerhalb der RLV abgerechnet werden.

Laut Modellrechnungen der KVB können einige Arztgruppen (darunter die Allgemeinmediziner, die Kinder- und Jugendärzte oder die Neurologen) in diesem Jahr Steigerungen ihres Gesamthonorars (also Regelleistungen plus freie Leistungen) zwischen zwei und 15 Prozent erzielen. Andere Arztgruppen hingegen (etwa die Anästhesisten oder Kardiologen) müssen mit Einbußen bis zu sechs Prozent rechnen. Die von manchen Ärzten prophezeiten 30 bis 40 Prozent Minus wird es laut KVB aber nicht geben.

Da sich aber nicht genau sagen lässt, welche und wie viele freie Leistungen ein Arzt erbringen wird, handelt es sich nur um Annahmen. Hinzu kommt, dass einige Arztgruppen viele freie Leistungen abrechnen können, andere hingegen nur wenige. Nach den KVB-Zahlen wird es also wohl kein Massensterben von Arztpraxen geben. Einzelne Ärzte oder auch ganze Medizinergruppen werden aber sehr wohl finanzielle Probleme bekommen. «Eine noch unbestimmte Zahl von Praxen ist gefährdet«, warnt KVB-Chef Axel Munte.

Regionale Lösung

Die Lösung, über die sowohl Munte, als auch die AOK und Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) nachdenken, könnte ein Honorarsystem sein, das von den bundesweiten Vorgaben abweicht und wieder stärker bayerische Besonderheiten berücksichtigt. Eine Forderung, die am Freitagabend bei einem Treffen Söders mit den Fachärzten laut wurde und wohl auch bei der Vollversammlung der KV am heutigen Samstag zu hören sein wird. In Berlin dürfte man von der Idee allerdings wenig begeistert sein: Schließlich wollte man mit der Reform und einem bundeseinheitlichen Vergütungssystem endlich den Honorar-Flickenteppich abschaffen.

Armin Jelenik
10.1.2009
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