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Streit um "Willkommen"-Plakat: Darf die Burka aufs Poster?

CSU will Verschleierte tilgen lassen, Fans möchten Plakat kaufen
 Streit um "Willkommen"-Plakat: Darf die Burka aufs Poster?
Streit um Burka auf Poster
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NÜRNBERG - Das umstrittene «Burka-Plakat» spaltet total: Die CSU will den Multikulti-Comic zensieren, begeisterte Betrachter möchten ihn unbedingt kaufen. Der Streit artet aus.

Worum geht’s? Ein Farbiger, eine Asiatin, die Oma von nebenan - aber auch eine Frau mit Ganzkörperschleier, der Burka, begrüßen auf dem bunten Poster gemeinsam Nürnbergs Gäste. Gezeichnet hat die fröhliche Versammlung die Grafikerin Maja Fischer; auf vielen Werbeflächen der Stadtreklame ist sie seit Wochen zu sehen.

Dass die CSU in der verschleierten Frau ein weltweites Symbol für die Unterdrückung und Entrechtung von Frauen und Mädchen sieht und in einem Offenen Brief die Überarbeitung des Plakats fordert, hat die Zeichnerin völlig überrascht. «Nie», sagt sie, hätte sie das geahnt: «Ich habe doch die Burka nicht erfunden.» Ihre Arbeit verwende natürlich Klischees. Man könnte das so übersetzen: Ein gutes Plakat muss plakativ sein.

Nicht mal Grund des Schweigens wird mitgeteilt

Trotzdem scheint das harmlose «Welcome»-Poster dermaßen viel Sprengstoff zu bieten, dass der Nürnberger Ausländerbeirat vereint in Deckung geht. «Kein Kommentar», heißt es dort auf Anfrage. Nicht einmal der Grund des Schweigens zum Burka-Streit wird mitgeteilt.

Auch Norbert Schürgers weiß längst um die Brisanz der Sache. Der Chef des Amtes für Internationale Beziehungen (AIB) ist verantwortlich für das Poster, das für die Christsozialen eindeutig religiösen Fanatismus abbildet. Ganz heiser spricht Amtsleiter Schürgers ins Telefon, denn seit Tagen diskutiert er mit unzähligen Anrufern über das Corpus Delicti, das er in seinem Büro aufgehängt hat.

Es sei erschreckend, wie viel Hass der Funke produziere, der bewusst geschlagen worden sei. Christian Vogel, SPD-Chef und Geschäftsführer der Stadtreklame in einem, wird deutlicher. Die CSU sehe hier die Chance, «wieder mal auf die Ausländer draufzuhauen». Vogel hat über 200 Anfragen von Menschen gezählt, die das Poster gerne daheim aufhängen wollen. Noch ist es nicht zu haben. Ein Nachdruck sei im Gespräch, heißt es.

Grausige Fotos

Neben positiver Resonanz hat der Streit eine bundesweite E-Mail-Kampagne ausgelöst, die das AIB per Mail mit grausigen Fotos von im Iran und anderswo gesteinigten Frauen, von erhängten Schwulen und zur Strafe abgehackten Fingern bombardiert. In gleichlautenden Schreiben werde verlangt, nicht alles zu tolerieren, was an Bräuchen anderswo gelebt wird. Ein Absender etwa teilt mit, er würde sich niemals von einer verschleierten Frau bedienen lassen.

«Es ist schön, dass sich Nürnberg zu seinen Musliminnen bekennt.» Das sagt Ute Strait-Aouichi von der Islamischen Gemeinde, der das Plakat gut gefällt. Es sei schade, dass die Auseinandersetzung mit dem Islam wieder nur an Kopftuch oder Schleier aufgehängt werde. Sie kenne keine Frau, der das Tuch aufgezwungen werde. Was im Ausland geschehe, könne man nicht 1:1 auf Deutschland übertragen.

«Total dagegen»

«Ich bin natürlich total gegen die Burka», sagt Gülseren Suzan, die Vorsitzende des deutsch-türkischen Frauenclubs Nordbayern. Auch das Kopftuch lehnt man im Club ab, zumindest, wenn es nicht freiwillig getragen wird. Die massive Reaktion auf den Comic habe sie sehr überrascht. Wer es ernst meine mit dem Kampf gegen die Unterdrückung der Frau im Iran, in Afghanistan und anderswo, der müsse Regierungen politisch bekämpfen, die Frauen so etwas aufzwängen; der dürfe solche Länder nicht schonen und mit ihnen Handel treiben.

Ein fröhliches Poster, auf dem die Burka-Trägerin verzichtbar gewesen wäre. Das ist das Fazit von Ida Hiller, der das strittige Detail zunächst gar nicht aufgefallen war. Natürlich hätten Frauen in islamischen Ländern oft nur wenig Rechte. Hiller: «Aber lässt sich diese Diskussion wirklich an so einem Plakat aufhängen?»

Nein, sagen die Grünen, die der CSU den Wunsch nach deutscher Leitkultur unterstellen und Burkas «als Teil der Lebensrealität» sehen. Wer sich integriere, müsse nicht alle kulturellen Wurzeln kappen. Nürnberg sei weltoffen und tolerant, das sagt die SPD dazu und wertet die CSU-Kritik an der gezeigten Burka als «billige Polemik».

Claudine Stauber
30.1.2009
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