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50 Jahre Bücherbusse in Nürnberg

Erfolgsgeschichte auf Rädern - Grundversorgung mit Literatur
 50 Jahre Bücherbusse in Nürnberg
Fahrbibliothek
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NÜRNBERG - Schuld waren wie so oft die Amis. 1959 überließ die US-Militärregierung den Nürnbergern ihr «book mobile«, mit dem sie die Bevölkerung in den Nachkriegsjahren mit Literatur versorgt hatte. Die damalige Volksbibliothek (heute: Stadtbibliothek) übernahm den LKW, ließ ihn überholen und bestückte ihn mit Büchern für Jung und Alt.

Fortan sorgte die Bibliothek auf Rädern dafür, dass die literarische Nahversorgung auch in den entlegenen Stadtteilen und Außenbezirken der Stadt aufrecht gehalten wurde. Der Job an der Bücherfront war ein mühsamer und nicht immer gut gelitten («Anfangs haben sie uns in den Schulen oft wie einen Schuhcremeverkäufer abgefertigt«). So losten die Mitarbeiter in Krisenzeiten schon mal aus, wer bei Wind und Wetter mit dem Bus raus musste. Denn hitzefrei gibt es bis heute erst ab gemessenen 37 Grad im Innenraum – eine freiwillige Option, die in 50 Jahren ganze drei Mal in Anspruch genommen wurde.

Klassiker verpönt - Comics undenkbar

Diese und viele andere Erinnerungen sind Teil einer launigen Geburtstagsstunde, zu der die Fahrbibliothek (wie die Bücherbusse offiziell heißen) in ihre Zentrale, die Villa Leon, geladen hat. Gekommen sind aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie langjährige Stammleser. Schnell wird klar: Die Zeiten, in denen der Job auf den (seit 1961) zwei Bussen als bessere Sträflingsarbeit verstanden wurde, sind lange vorbei. «Wir kommen Ihnen entgegen« lautet das Motto der rollenden Büchereien – was schon mal eine völlig neue Bedeutung bekommt, wenn der Bücherbus rückwärts eine Einbahnstraße zurückstoßen muss, um seine gewohnte Haltestelle zu erreichen, weil mal wieder eine Baustelle die gewohnte Zufahrt versperrt.

Doch auch inhaltlich hat sich in all den Jahren einiges verändert – vom Anspruch der Bibliotheken in den 60er und 70er Jahren, ihre Leser «zum guten Buch« bringen zu wollen (ohne dieses selbst gewählte Siegel genauer zu definieren; Romanbestseller wie Simmel und Konsalik waren jedenfalls verpönt, Comics undenkbar) hin zum Ansatz von heute, als Service-Einrichtung den Wünschen der Leserschaft entgegenzukommen und ein breites Spektrum aus Populärliteratur, Klassikern und neuen Medien anzubieten. Nach dem Einbruch der Ausleihzahlen in den 80ern standen die Bücherbusse Anfang der 90er Jahre sogar mal kurzzeitig auf der Streichliste des Stadtrates. Während im Rest der Republik zur Jahrtausendwende vergleichbare Einrichtungen abgebaut wurden, investierte die Stadt Nürnberg in den Jahren 2000 und 2002 noch einmal kräftig in ihre rollenden Büchereien.

Bücherbus-Song im Hintergrund

Mit Erfolg: Trotz vermindertem Bestand und weniger Haltestellen knackten die Ausleihzahlen im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in der Geschichte der Bücherbusse die 200.000er Marke und schlugen mit 210.000 Entleihungen sogar die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 1970 (207.000 Ausleihen). Unangefochtene Hochburg in Sachen Bücherbus ist übrigens Eibach: Mindestens einmal die Woche muss der Bus den Stadtteil hinterm Hafen anfahren, so groß ist dort die Nachfrage.

Stolz zeigen die Mitarbeiter in der Villa Leon Fotoalben herum, zitieren lachend aus alten Zeitungsberichten («Zeitvertreib für grüne Witwen«). Im Hintergrund läuft leise der lustige Bücherbus-Song, die Chefin hat zur Feier des Tages eine Torte gebacken – natürlich in Busform. Der Bücherbus, soviel steht fest, ist eine jener Ideen, die erfunden werden müsste, gäbe es sie nicht schon längst. In diesem Fall seit 50 erfolgreichen Jahren. Herzlichen Glückwunsch!

Stefan Gnad
19.2.2009
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