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Zuversicht im fränkischen «Linux-Valley» |
| Nürnberg ist Hochburg der Pioniere für die frei zugängliche Software |
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NÜRNBERG - Mitten im Zentrum der Entwicklung sogenannter Open-Source-Software - Programme, die frei und ohne Lizenzgebühren erhältlich sind - steht Nürnberg. Doch kratzt jetzt die Finanzkrise am Ruf des fränkischen «Linux-Valley»? Der US-Softwarehersteller Novell kündigte an, auch in Nürnberg Mitarbeiter zu entlassen. Dabei finden freie Softwareprogramme in den Unternehmen immer mehr Verbreitung.
Ein Pakt mit dem Feind? Undenkbar, meinten die einen, als der Softwarekonzern Microsoft im vergangenen Jahr ankündigte, näher mit den Open-Source-Entwicklern zusammenzurücken. Die anderen aber witterten neue Geschäfte und setzten darauf, durch die Kooperation mit dem Software-Riesen aus dem amerikanischen Redmond neue Kunden zu gewinnen.
So etwa die amerikanische Softwareschmiede Novell, die in der Noris einen Standort unterhält. Die Firma kennt ihre Kundschaft gut genug um zu wissen, dass diese nicht nur mit Microsoft-Produkten arbeiten will, sondern auch mit Open-Source-Software. «Deshalb haben wir unser Programm erweitert», sagt Markus Rex. Seit Dezember vergangenen Jahres führt der 37-Jährige, ein Urgestein der Open-Source-Szene in Franken, die Geschäfte der Suse-Linux-Niederlassung von Novell.
Novell streicht Stellen
Nun kündigte das Unternehmen, das mehr als 200 Mitarbeiter in Nürnberg beschäftigt, einen Personalabbau an. Knapp drei Prozent der weltweiten Novell-Belegschaft sollen gehen. In Nürnberg sei «eine geringe Anzahl» von Open-Source-Entwicklern betroffen, sagt Rex. Als Grund nennt das Unternehmen den weltweiten Konjunkturabschwung. «Wir müssen uns auf die Wirtschaftskrise vorbereiten. Wir sind eigentlich froh, dass wir uns nur darauf vorbereiten müssen», rechtfertigt Rex den Stellenabbau. Im Vergleich zu anderen IT-Unternehmen stehe man «noch ganz gut da». Novell habe es nicht geschafft, das eingebrochene Geschäft mit Lizenzen durch Open-Source-Produkte und Dienstleistungen wieder wettzumachen, meinen jedoch Brancheninsider. Rex sagt, dass er hierbei keinen direkten Zusammenhang sehe.
In der Frankenmetropole war man viele Jahre lang stolz auf das «Linux-Valley», das sich über Jahre hinweg etabliert hat. Zu den Protagonisten der ersten Linux-Stunde gehört Markus Rex. Der gebürtige Düsseldorfer, der in Nürnberg aufgewachsen ist, hat in Erlangen Informatik studiert und stieg 1999 beim damaligen Linux-Distributor Suse ein.
Anlaufstelle für Fachleute
Später bei Novell, das sich Suse mittlerweile einverleibt hatte, leitete er unter anderem die Suse-Linux-Geschäftseinheit. Bis er schließlich an die Linux Foundation «ausgeliehen» wurde - eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Verbreitung des Open-Source-Gedankens einsetzt. Seitdem er sich mit Linux beschäftigt, habe es ihn immer interessiert, «wie man mit Open-Source ein vernünftiges Geschäftsmodell bauen» kann, erzählt Rex.
Auf dieses Geschäftsmodell bauen mittlerweile immer mehr Unternehmen und Initiativen in Nürnberg und der Region. Darunter auch Richard Seibt aus Nürnberg. Seibt steht der Nürnberger Open Source Business Foundation e. V. (OSBF) vor. Der Verein mit mehr als 120 Mitgliedern hat es sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen, Gründer, Hochschulen, Risikokapitalgeber und Berater miteinander zu vernetzen.
Der Manager weiß die Anziehungskraft der Frankenmetropole zu erklären: «Nürnberg ist ein weltweites Zentrum, in dem die gesamten Entwicklungsstränge von Linux zusammenlaufen.» Zum Ruf Nürnbergs als Entwicklungszentrum für freie Software trägt auch ein Open-Source-Kongress bei, der jährlich Fachleute aus aller Welt anzieht.
Langsam aber stetig wuchs die Zahl jener Open-Source-Firmen, die - wie zum Beispiel die Firmen LT-ec in Stein, Ancud IT Beratung oder Open-Xchange - aus der Region heraus Kunden in aller Welt mit Produkten und Serviceleistungen beliefern. So eröffnete zum Beispiel die französische Firma Talend Open Data Solutions erst im vergangenen Jahr im Südwestpark eine Filiale.
Dass sich mit lizenzkostenfreier Software Geld verdienen lässt, zeigt etwa die Erfolgsgeschichte der Firma Netways, die Julian Hein 1995 als Einmannbetrieb in Nürnberg gründete. «Wir sind auf die Netzwerküberwachung mit Hilfe von Open-Source-Werkzeugen spezialisiert», erläutert Hein sein Geschäftsmodell. Mittlerweile hat er 19 Mitarbeiter und ist Dienstleister unter anderem für Audi, die Daimler AG oder die Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Auch Stefan Probst gehört, wie Markus Rex und Julian Hein, zu den Dinosauriern der fränkischen Linux-Community. Mehr als 15 Jahre Linux-Erfahrung hat der heute 41-Jährige auf dem Buckel. Über seine 1993 gegründete Firma LST und später Caldera fand er schließlich zu Suse und Novell. Dort war er zuletzt Entwicklungsleiter. 2008 gründete er in Erlangen eine eigene Unternehmensberatung: «Ich will eine Brücke schlagen zwischen der Dynamik der Linux-Community und den Unternehmen.» Freie Software fasziniert ihn noch immer. «Open-Source ist ein fester Baustein in der IT geworden», sagt Probst.
Eigene Open-Source-Professur
Dass sich die Gratis-Software zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt, meint auch Michael Philippsen vom Lehrstuhl Informatik 2 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). So wurde an der Uni eine Arbeitsgruppe gegründet, die das Thema Open-Source aus der Sicht der Informatik wissenschaftlich untersucht. «Das ist weltweit einmalig», sagt Philippsen. Noch in diesem Jahr soll an der FAU die erste Professur für Open-Source installiert werden.
Während Novell Mitarbeiter entlässt, möchte zum Beispiel Julian Hein dem Abschwung die Stirn bieten. «Wir wollen trotz Wirtschaftskrise weiter wachsen», erklärt der 33-Jährige. Für dieses Jahr plant er, drei neue Mitarbeiter einzustellen sowie einen Fachinformatiker für Systemintegration auszubilden.
Auch Novell wolle weiterhin auf Open-Source-Software setzen. «Das ist für uns nach wie vor ein Kerngebiet», bekräftigt Markus Rex. Mit dem Stellenabbau sei «kein signifikanter Strategiewechsel verbunden». Richard Seibt ist sich in jedem Fall sicher: «Die Positionierung der Region Nürnberg als Open-Source-Standort wird Früchte tragen.»
Ilona Hörath |
| 24.2.2009 |
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