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Berufsschüler spüren Demokratie hautnah |
| Ein Planspiel soll zeigen, dass Demokratie nicht einfach ist |
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NÜRNBERG - Während die «Politiker«, organisiert in insgesamt sechs fiktiven Parteien Wahlprogramme entwickeln, Wahlkampf betreiben und durch Plakate und Interviews versuchen, Stimmung zu machen, um die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, betreibt der andere Teil Lobbyarbeit. Die verschiedenen Gruppierungen und Vereine aus Kirche, Unternehmertum, Umwelt, Bildung und Familie versuchen ihrerseits, die Programme der Parteien dadurch zu beeinflussen.
Warum es solche Projekte braucht, erklärt Berufsschullehrer Peter Kührt: «Wir möchten, dass die jungen Menschen mehr Sensibilität für den Wert der Demokratie entwickeln und das später auf ihre Umgebung übertragen.«
Fiktiver Staat mit 20 Millionen Einwohnern
Voller Eifer, Kreativität und Engagement betätigen sich alle Berufsschüler an dem Projekt, das die Regeln und Gegebenheiten aus der Wirklichkeit übernommen hat: Auch in dem fiktiven Staat mit 20 Millionen Einwohnern gibt es Migranten und verschiedene Glaubensrichtungen.
Und auch die nahe gelegene Bäckerei kommt um Fontanien nicht herum: Auch sie wird zum Handlungsort, als das Presseteam des Planspiels bei der Verkäuferin nachfragt, was sie von den einzelnen Wahlkampagnen hält. Eine der größten, an der keiner vorbeikommt, hat das Team der Christlichen Volkspartei (CVP).
Sie denken nur noch in Fontanisch und versuchen, die vorgegebene soziale Situation der Fontanier mit allen Mitteln zu verbessern. Um auch wirklich jeden davon zu überzeugen, dass die CVP dies am besten kann, hat das Team schon auf dem Weg zum Plenarsaal, in dem das Planspiel stattfindet eine Unmenge an Wahlplakaten aufgehängt und tapezierte damit schon fast das ganze Schulhaus.
«Unsere Flyer haben wir jedem, auch nicht am Planspiel Beteiligten, in die Hand gedrückt. Sogar am Klo hängen unsere Wahlplakate, denn schließlich muss dort jeder hin«, schildert Martina Stefan (20), die Beraterin des Parteichefs, die Überzeugungsstrategie.
Die Macht der Medien
Während die CVP am Ende bei der Wahl auf einem der vorderen Plätze landet, wird die Bürgerbewegung Grünes Fontanien den letzten Rang belegen. Eine Rechtfertigung für den letzten Platz hat die Partei um Parteivorsitzenden Robert Reitz (23) schon gefunden.
«Wir hatten Unstimmigkeiten in der Partei, die Planspiel-Presse hat’s aufgeschnappt und uns daraufhin ziemlich rundgemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Medien solch einen Einfluss auf die Demokratie und eine Partei haben können«, erklärt Reitz.
Dass sich der Blick auf die Politik verändert hat, kann die 21-jährige Teilnehmerin Katharina Wallender nur bestätigen, die nun viel genauer das politische Geschehen im Fernsehen beobachten würde: «Ich habe in diesen zwei Tagen viel dazugelernt. Wir haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, und ich habe gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, eine für alle akzeptable Mitte zu finden.«
Die Taktik der «Christen« ging nicht auf
Die Mitte zu finden galt es letztlich auch nach der Wahl: 33 Stimmen hätte eine Partei zur alleinigen Regierung gebraucht. Doch weder die CVP noch die Partei für ein liberales Fontanien (PLF) erreichten die absolute Mehrheit. «Nun müsst ihr Koalitionsverhandlung führen«, schildert Reemt Behrens, Leiter des Projektspiels, das weitere Vorgehen.
Doch dabei zeigt sich, dass die Taktik der «Christen« nicht aufging: Letzten Endes bildeten die Liberalen mit den Sozialdemokraten eine Koalition und verdrängen die CVP auf den Platz der Opposition. Die Planspiel-Presse wird deshalb am Ende des zweiten Tages titeln: «Da half auch kein Beten!«
Alexandra Haderlein |
| 6.3.2009 |
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