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«Verbot der Killerspiele als erster Schritt«

Expertin aus Erlangen warnt vor Gewaltdarstellungen: Emotionale Verkümmerung droht
 «Verbot der Killerspiele als erster Schritt«
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Die Leiterin des Erlanger Instituts für Medienverantwortung, Sabine Schiffer, warnt vor der Nachahmerwirkung von Killerspielen wie «Counterstrike«, die auch der Amokschütze spielte.

Bei der Suche nach den Ursachen und Motiven des Amoklaufs in Winnenden ist die Polizei im Hauses des Täters auch auf Killerspiele gestoßen. Sind diese also doch prägend für einen bestimmten Tätertyp, somit also potenziell gemeingefährlich?

Sabine Schiffer:
Das ist unbestritten, auch wenn es der Softwareindustrie gelungen ist, hier einen vermeintlichen Wissenschaftsstreit zu inszenieren. Dennoch stellt die alleinige Fokussierung nach einem Ballerspielverbot eine Reduktion der komplexen Thematik Wohlstandsverwahrlosung dar. Das Verbot dieser Killerspiele ist ebenso nötig, wie alleine nicht ausreichend. Insgesamt nehmen Gewaltdarstellungen in verschiedensten Medienangeboten immer noch zu. Und wir müssen uns grundsätzlich Gedanken um die drohende emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft machen, in der Kinder mit tatsächlichen und vermeintlichen Bildungsangeboten zugeschüttet werden und die Bildung von echtem Interesse, Mitgefühl und Verantwortung gar noch als störend für die Karriere vermittelt wird.

Ihr Institut warnt im Gegensatz zu anderen Einrichtungen schon seit langer Zeit vor der Wirksamkeit dieser Spiele. Haben Sie die besseren Erkenntnisse?

Schiffer:
Offensichtlich. Wir haben eine große Recherche gemacht – nachzulesen Im Internet unter www.hintergrund.de Diese zeigt nicht nur, welche Ergebnisse Studien in dem Bereich erbrachten, sondern auch, von wem sie jeweils stammen und wer mit welcher Industrie zusammenarbeitet. Da kommen wir zu dem gleichen Ergebnis wie etwa das GEO-Heft 2/2008, in dem der Autor auch überrascht war, wie eindeutig die Erkenntnisse sind.

Wenn diese Erkenntnisse eindeutig sind, wer sperrt sich dagegen?

Schiffer:
Ein Wissenschaftsstreit um die Prägung durch Darstellungsmodelle und insgesamt der um die Wirkungsforschung ist ja bloß inszeniert und dient vor allem dazu, Zeit zu gewinnen. Und zwar für die Vermarktung zweifelhafter Produkte, die ein hohes Suchtpotenzial haben wie Onlinespiele. Oder die Ausdruck einer gewalthaltigen Kultur sind wie die Tötungstrainer, die entsprechend zu militärischen Zwecken genutzt werden. Initiativen wie Schulen-ans-Netz von Microsoft gilt dies als innovatives Bildungsangebot. Hier wird dem Medienzugang vor der Medienbildung, die Grundlagen vor dem Zugang braucht, Priorität eingeräumt - das ist zumindest fahrlässig.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat eine Gesetzesverschärfung verlangt, die Vertrieb und Zugang zu solchen Spielen kontrollierbar macht. Ist dies aus Ihrer Sicht sinnvoll und praktikabel?

Schiffer:
Es wäre ein eindeutiges Zeichen, das Signalcharakter hat. Natürlich können Verbote umgangen werden, aber dann eben illegal und mit dem Label des Unterlassensollens. Wir haben in einer ausführlichen Darstellung im letzten Jahr Innenminister Herrmann auf die grundsätzliche Problematik der frühen Computerisierung - etwa in Kindergärten und Grundschulen - hingewiesen, weil sie ein reduziertes Wahrnehmungsangebot darstellt. Dadurch werden Bildungschancen eindeutig reduziert, es lässt die sozialspezifische Schere weiter auseinanderklaffen und unterstützt Vereinzelungstendenzen.

Interview: Peter Millian
13.3.2009
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